"Es geht in großen Schritten voran", sagte der Ingenieur und Projektleiter Oliver Wolf von der hannoverschen Landeskirche am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Fertigstellung und Wiedereinweihung des evangelischen Klosters sei für den Sommer 2021 geplant. Allerdings könne sich der anvisierte Termin durch die Corona-Krise und mögliche Ausfälle bei den Firmen noch verzögern.
Die Landeskirche lässt das 1163 gegründete Zisterzienserkloster, in dem heute angehende Pastorinnen und Pastoren ausgebildet werden, seit 2017 komplett durchsanieren, modernisieren und erweitern. Es ist das größte Bauprojekt der Landeskirche in der Nachkriegszeit. Die Kosten sind nach Angaben von Baudirektor Werner Lemke inzwischen auf 33 Millionen Euro gestiegen. Noch im vergangenen Jahr hatte die Kirche mit rund 29 Millionen Euro kalkuliert. "Während der Arbeiten haben wir ein hohes Maß an Schäden vorgefunden, die behoben werden mussten", sagte Lemke.
Moderne Bibliothek geplant
Im Zuge der Sanierung wurde unter anderem ein großer Teil der historischen Wände und Böden geöffnet. Handwerker tauschten schadhafte Stellen am Holzgebälk aus, setzen neue Wände ein und verstärkten die Dachbalken. Am Ostflügel der Anlage, wo vor mehr als 200 Jahren ein Teil des Klosters abgebrochen wurde, entsteht im historischen Grundriss eine moderne Bibliothek für rund 120.000 Bücher, darunter 21 kostbare Handschriften aus dem Mittelalter.
Nach Angaben von Lemke und Wolf ist das Konventsgebäude schon so weit fertiggestellt, dass in den Innenräumen die Holzverkleidungen angebracht werden können. "Wenn man hineingeht, sieht man schon, wie schön die Räume werden", sagte Lemke.
Rares Zisterzienserkloster
In der neu errichteten Bibliothek sind die Elemente für die Glasfassade bereits eingebaut, das Dach ist gedeckt und die Natursteinfassade wird aufgemauert. Demnächst soll der Fußbodenaufbau eingebracht werden. Im Außenbereich sind die Pflasterarbeiten für den Parkplatz bereits fertig, und es wurden Bäume gepflanzt. Ab Januar sollen auch die Zufahrtswege fertig werden. Zur Erweiterung der Klosteranlage gehört auch ein neues "Schlafhaus" mit 28 Zimmern, das bereits fertiggestellt ist.
Das Kloster Loccum ist für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers von großer Bedeutung. Es gilt neben dem Kloster Maulbronn bei Pforzheim als das besterhaltene Zisterzienserkloster nördlich der Alpen. Das seit genau 200 Jahren dort ansässige Predigerseminar ist eines der ältesten in Deutschland und das zentrale Seminar für Niedersachsen und Bremen. Es bietet Platz für 75 Nachwuchstheologen. Während der Bauarbeiten sind sie in umliegenden Seminarhäusern untergebracht.
Das Kloster Loccum zwischen Weser und Steinhuder Meer wurde 1163 von Zisterzienser-Mönchen gegründet und wechselte um das Jahr 1600 zum evangelischen Glauben. Heute ist es ein geistliches Zentrum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Seit 200 Jahren dient es als Predigerseminar für Pastoren und Pastorinnen in Niedersachsen und Bremen. Damit ist Loccum das älteste evangelische Predigerseminar in Deutschland, das sich ununterbrochen an einem Ort befindet.
Loccum gilt neben dem Kloster Maulbronn in Baden-Württemberg als das am besten erhaltene Zisterzienser-Kloster nördlich der Alpen. Aktuell wird die Anlage für rund 33 Millionen Euro grundlegend saniert und erneuert. 2012 hatte die Landeskirche bereits die Klosterkirche für 3,3 Millionen Euro restaurieren lassen.
Das Kloster gehört heute zur "Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland". Es wird von einem 14-köpfigen Konvent unter dem Vorsitz des Abtes geleitet. Mitglieder sind Pastoren und Juristen der Landeskirche. Zum neuen Abt wurde der evangelische Landesbischof Ralf Meister (58) aus Hannover gewählt. Er übernahm das Amt Anfang September von seinem Vorgänger Horst Hirschler (87), der bis 1999 ebenfalls Landesbischof war. In unmittelbarer Nachbarschaft des Klosters siedelte die hannoversche Landeskirche 1952 die Evangelische Akademie Loccum an.