Meister tritt die Nachfolge von Horst Hirschler (87) an, der das Amt 20 Jahre lang innehatte. Bei der Feier nahm er das Abtskreuz sowie Krummstab und Abtsring als Zeichen des Amtes entgegen.
Wegen der Corona-Pandemie war die Zahl der Festgäste auf 160 beschränkt. Unter ihnen war auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der ein Grußwort sprach. Die katholischen Bischöfe Heiner Wilmer aus Hildesheim und Franz-Josef Bode aus Osnabrück beteiligten sich an der Gestaltung der Feier. Eigentlich sollte die Einführung schon im Mai stattfinden, sie wurde aber aus Gründen des Infektionsschutzes verschoben.
Meister würdigte Hirschler bei der Feier als "Baumeister des Herrn":"Wir verdanken ihm so vieles an diesem Ort." In seiner Predigt rief er zu einer Verbindung von Glauben und Vernunft auf. Dafür stehe seit Jahrhunderten das Kloster Loccum. Es komme darauf an, aus der Geschichte zu lernen, Unrecht zu erkennen und für eine bessere Welt zu arbeiten. "Vernunft ist mehr als bloße Logik", betonte der neue Abt. "Sie ist die verantwortliche Weise, mit der Welt umzugehen."
Das Kloster gilt als spirituelles Zentrum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der größten protestantischen Landeskirche in Deutschland. Es wurde im Jahr 1163 von Zisterzienser-Mönchen gegründet und ging um das Jahr 1600 zum evangelischen Glauben über. Seither leben keine Mönche mehr im Kloster, stattdessen werden dort Pastoren und Pastorinnen ausgebildet. Meister wird das Amt parallel zu seinen Aufgaben als Landesbischof in Hannover ausüben. Er wird der 65. Abt des Klosters sein und der 19. seit der Reformation.
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Der Abt leitet den 14-köpfigen Konvent, zu dem Theologen und Juristen gehören und der für die Geschicke des Klosters verantwortlich ist. Das Amt ist heute an eine Person geknüpft, die das bischöfliche Amt ausübt oder früher ausgeübt hat. Durch eine Verfassungsänderung, die das Kloster im August beschloss, können künftig auch Frauen in den Konvent berufen und somit Äbtissin werden.
Hirschler, der von 1988 bis 1999 Landesbischof war, hatte Anfang Januar beim traditionellen Epiphanias-Empfang der hannoverschen Landeskirche in dem Kloster seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er hatte das Amt am 4. Juni 2000 von seinem inzwischen verstorbenen Vorgänger Eduard Lohse übernommen.
Das Kloster Loccum zwischen Weser und Steinhuder Meer wurde 1163 von Zisterzienser-Mönchen gegründet und wechselte um das Jahr 1600 zum evangelischen Glauben. Heute ist es ein geistliches Zentrum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Seit mehr als 200 Jahren dient es als Predigerseminar für Pastoren und Pastorinnen in Niedersachsen und Bremen. Damit ist Loccum das älteste evangelische Predigerseminar in Deutschland, das sich ununterbrochen an einem Ort befindet. Loccum gilt neben dem Kloster Maulbronn in Baden-Württemberg als das am besten erhaltene Zisterzienser-Kloster nördlich der Alpen. Aktuell wird die Anlage für rund 29 Millionen Euro grundlegend saniert und erneuert. 2012 hatte die Landeskirche bereits die Klosterkirche für 3,3 Millionen Euro restaurieren lassen. Das Kloster gehört heute zur "Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland". Es wird von einem 14-köpfigen Konvent unter dem Vorsitz des Abtes geleitet. Mitglieder sind Pastoren und Juristen der Landeskirche. Zum neuen Abt wurde der evangelische Landesbischof Ralf Meister (58) aus Hannover gewählt. Er übernahm das Amt Anfang September von seinem Vorgänger Horst Hirschler (87), der bis 1999 ebenfalls Landesbischof war. Der Loccumer Abt ist aus historischen Gründen auch ehrenamtlicher Vorsitzender der Trägerversammlung der Brandkasse in der Versicherungsgruppe Hannover (VGH). Der frühere Abt Georg Ebell (1696-1770) hatte in Loccum eine der ersten funktionierenden Feuerversicherungen in Deutschland entwickelt. In unmittelbarer Nachbarschaft des Klosters siedelte die hannoversche Landeskirche 1952 die Evangelische Akademie Loccum an.