© vgajic/istockphoto/Getty Images
Bei den Modellprojekten, die in Köln, Solingen oder Cochem eingerichtet wurden, soll es jeweils darum gehen, neue Formen von Gemeinschaft zu finden, in der jeweils Religion eine Rolle spielt, ohne dass es so benannt wird, z. B. ein gemeinsames Essen.
Er versuche, im Düsseldorfer Stadtteil Benrath Gruppen aufzubauen, die sich für religiöse oder spirituelle Erfahrungen interessieren, ohne die Rituale der Kirche zu pflegen, sagte der rheinische Theologe dem epd. "Wir möchten herausfinden, was die Menschen im Stadtteil einer Großstadt brauchen, und dann eine christliche Antwort darauf geben."
Bei den Modellprojekten, die in Köln, Solingen oder Cochem eingerichtet wurden, soll es jeweils darum gehen, neue Formen von Gemeinschaft zu finden, in der jeweils Religion eine Rolle spielt, ohne dass es so benannt wird. Theologisch nehmen die Experimente auch Strömungen des unmittelbar auf Gott bezogenen Lebens der Freikirchen auf. Ein Abendmahl wird in der "dorf.kirche düsseldorf" als gemeinsames Essen gestaltet und Gartenarbeit gemeinsam verrichtet. "In dieser Zeit brauchen wir viele Experimente", erläuterte der 34-Jährige. Sein Vorgehen erinnere an die Urgemeinden, die auch noch keine fest gefügten Rituale hatten. Gebete, Abendmahl, überhaupt die Art, wie man sich versammeln möchte, solle neu und den Bedürfnissen der Menschen entsprechend gestaltet werden.
Vage Suchbewegungen im Erprobungsraum
Dabei sei bislang gar nicht klar, wie und ob die Bewohner*innen, die sowohl der Kirche als auch der Religion weitgehend entfremdet seien, überhaupt eine Gemeinschaft suchten, sagte Coppes, der mit seiner Familie auch in Düsseldorf-Benrath wohnt. Er sei sich aber sicher, dass Menschen religiöse Bedürfnisse haben, die in den verfassten Kirchen nicht mehr befriedigt würden. Daher sieht er seine noch vagen Suchbewegungen im Erprobungsraum "dorf.kirche düsseldorf" nicht als Akt der Verzweiflung darüber, dass die Kirche für viele Menschen bedeutungslos geworden sei, sondern als Ausdruck der Hoffnung, dass er "spirituelle Alltagserlebnisse" schaffen kann.
Die Corona-Zeit sei für den Beginn seiner Tätigkeit allerdings hinderlich gewesen, sagte der Theologe. Das als "Abendmahl" bezeichnete gemeinsame Essen musste daher wieder eingestellt werden. Dafür habe sich eine Gruppe gefunden, die - wenn auch unverbindlich - am Freitagnachmittag aus neuen Hochbeeten rund um das Bürgerhaus einen Gemeinschaftsgarten baut.
Mit zunächst zehn sogenannten Erprobungsräumen fördert die Evangelische Kirche im Rheinland innovative und unkonventionelle Formen kirchlichen Lebens. Die Modellprojekte und Initiativen sollen mit Mut und Kreativität erproben, wie Kirche neu Gestalt gewinnen kann. Damit will die zweitgrößte deutsche Landeskirche Menschen erreichen, die sich in bisherigen kirchlichen Angeboten nicht beheimatet fühlten. Zu den ausgewählten Initiativen gehören unter anderem eine virtuelle Kirche, eine Kindergemeinde und ökumenische Segensfeiern.
Die Projekte werden für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren gefördert. Die rheinische Landessynode hatte das Förderprogramm mit einem Gesamtvolumen von bis zu 13 Millionen Euro im Januar beschlossen. Die zweite Bewerbungsphase für weitere Erprobungsräume beginnt am 31. Oktober, dem Reformationstag.