Wohnungslose wollen bundesweite Selbstvertretung aufbauen

Wohnungslose wollen bundesweite Selbstvertretung aufbauen
Wohnungslose und ehemals wohnungslose Menschen aus ganz Deutschland wollen eine bundesweite Selbstvertretung aufbauen, um für ihre Interessen einzutreten. Beim dritten Wohnungslosentreffen im niedersächsischen Freistatt sei dafür in der vergangenen Woche der Grundstein gelegt worden, sagte Koordinator Stefan Schneider (53) am Sonntag zum Abschluss des Camps dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Situation obdachloser und wohnungsloser Menschen werde in der Öffentlichkeit häufig nur als Defizit beschrieben. "Wir haben aber auch Stärken und Fähigkeiten", betonte Schneider. Diese wollten die Wohnungslosen nun in politische Debatten und soziale Initiativen einbringen.

Bei dem einwöchigen Treffen erarbeiteten die rund 100 Teilnehmer ein Fünf-Punkte-Programm, um die Situation wohnungsloser Menschen zu verbessern. Sie fordern unter anderem eine auf sie zugeschnittene medizinische Versorgung mit mehr Arztmobilen und kostenlosen Medikamenten. Neben einer Akut-Versorgung müsse auch die Behandlung chronischer Krankheiten möglich sein. Zudem müsse die Versorgung psychisch kranker Wohnungsloser verbessert werden.

Mehr zu Wohnungslose
Belegte Brötchen in einer Bäckerei
Belegte Brötchen sind rar geworden. Fünf Bäckereien fährt der Hamburger Mitternachtsbus nach Feierabend an, um Übriggebliebenes für Obdachlose einzusammeln. Doch öfters kommt kaum was zusammen für die Ausgabeaktion der Diakonie am Bahnhof.
Ein Zahnarzt und eine Zahnarzthelferin arbeiten an eine Zahnprotese.
Seit zwölf Jahren versorgt das Zahnmobil in Hannover Menschen ohne Krankenversicherung. Vor kurzem hat das Team ein neues Fahrzeug in Betrieb genommen. Das Angebot ist nicht nur für Obdachlose oft die letzte Rettung.

Das Recht auf eine Wohnung müsse im Grundgesetz verankert und praktisch umgesetzt werden, verlangen die Teilnehmer weiter: "Wir brauchen ein breites Bündnis für eine neue Wohnungspolitik." Wohnungslose Menschen sollten auch in Bauvorhaben einbezogen werden. Zu den weiteren Forderungen gehören ein höherer Regelsatz an Sozialhilfe für Menschen, die auf der Straße leben, und mehr Möglichkeiten, den Kontakt zu getrennt lebenden Kindern zu pflegen.

Das Treffen in Freistatt wurde unter anderem von der "Aktion Mensch", den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld und dem Diakonische Werk in Niedersachsen gefördert. Die Teilnehmer haben sich über die Internet-Plattform www.wohnungslosentreffen.de sowie über soziale Medien miteinander vernetzt. Das nächste Treffen soll im Juli 2019 stattfinden, voraussichtlich in einer Einrichtung der Diakonie im oberbayrischen Herzogsägmühle.

Viertes bundesweites Wohnungslosentreffen vom 21. bis 28. Juli 2019, möglicherweise im oberbayerischen Herzogsägmühle.