Früherer Erzbischof Zollitsch gibt Ehrungen zurück

Robert Zollitsch

© epd-bild/Mathias Ernert

Der emeritierte Erzbischof Robert Zollitsch war heftig in die Kritik geraten, weil er erst ganz am Ende seiner Amtszeit Missbrauchsfälle nach Rom gemeldet und damit kirchenrechtliche Untersuchungen verschleppt haben soll.

Freiburger Missbrauchsgutachten
Früherer Erzbischof Zollitsch gibt Ehrungen zurück
Der im Zusammenhang mit dem Freiburger Missbrauchsgutachten scharf angegriffene ehemalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch gibt sein Bundesverdienstkreuz zurück.

Eine entsprechende Erklärung hat sein Sprecher am Freitag auf Zollitschs Internetseite veröffentlicht. Dort heißt es, vor dem Hintergrund seiner Erklärung vom 6. Oktober 2022 gebe Zollitsch mit einem Schreiben an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland zurück, den er 2014 erhalten hatte.

Zudem bot Zollitsch dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) an, die Staufermedaille und den Verdienstorden des Landes zurückzugeben. Die Staufermedaille, die Zollitsch ebenfalls 2014 erhielt, ist eine persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Den Landesverdienstorden hatte der langjährige Freiburger Erzbischof (2003 bis 2013), der zudem von 2008 bis 2014 Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz war, bereits 2011 erhalten. Ministerpräsident Kretschmann sagte in Stuttgart: "Ich nehme dieses Angebot an."

Kretschmann zeigte sich schockiert über die Ergebnisse der Freiburger Missbrauchsstudie: "Die Opfer des Missbrauchs waren diesem offensichtlichen Versagen der kirchlichen Strukturen über Jahre hilflos ausgesetzt. Das erschüttert mich." Der Prozess der Aufarbeitung müsse mit aller Konsequenz und Nachdruck fortgeführt werden.

Zollitsch soll Untersuchungen verschleppt haben

Zollitsch war durch den Anfang der Woche veröffentlichten Missbrauchsbericht des Erzbistums Freiburg heftig in die Kritik geraten, weil er erst ganz am Ende seiner Amtszeit Missbrauchsfälle nach Rom gemeldet haben soll und damit kirchenrechtliche Untersuchungen verschleppt haben soll. Zollitsch war von 2003 bis 2013 Erzbischof von Freiburg, zuvor schon als Personalreferent in der Diözese. Von 2008 bis 2014 war er zudem Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Selbst nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in Deutschland 2010 soll Zollitsch es unterlassen haben, mutmaßliche Missbrauchstäter beim Heiligen Stuhl anzuzeigen, wie es seine Pflicht gewesen wäre.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte Zollitsch in einem Statement erklärt, ihn habe "lange, zu lange Zeit" in seiner Haltung und seinem Handeln "viel zu sehr das Wohl der katholischen Kirche und viel zu wenig die Anteilnahme am Leid der Betroffenen und die Fürsorge für die Opfer" geleitet. Heute wisse er, dass er "im Umgang mit meinen Mitbrüdern, die ihnen anvertraute Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene - auf welche Weise auch immer - missbraucht haben, zu naiv und zu arglos war", schrieb er damals.

Zeitgleich mit seinem Verzicht auf das Bundesverdienstkreuz, sagte Zollitschs Sprecher, habe der im Ruhestand in Mannheim lebende Theologe dem amtierenden Freiburger Erzbischof Stefan Burger seinen Verzicht auf das Privileg erklärt, in der Bischofsgruft des Freiburger Münsters beigesetzt zu werden. Der Alt-Erzbischof habe bereits seit geraumer Zeit im Stillen seine anderen bischöflichen Privilegien nicht wahrgenommen, hieß es in der aktuellen Erklärung weiter.

Das Ordinariat Freiburg hatte am Donnerstag dem Südwestrundfunk bestätigt, dass die Porträts der durch Vertuschung in den Missbrauchsskandal verwickelten Alt-Erzbischöfe Zollitsch und Saier im Ordinariat Freiburg abgehängt worden seien. Der amtierende Erzbischof Burger habe am Donnerstag "alle Porträts seiner Vorgänger in der Bistumszentrale abhängen lassen". Die Ölgemälde hingen in zentraler Position an den Flurwänden beim Büro des Erzbischofs. Zuvor hatten sich laut SWR Missbrauchsbetroffene für die Entfernung der Bilder ausgesprochen.

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