Über hundert Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken

Flüchtlinge im Boot auf dem Mittelmeer

Foto: Valerio Nicolosi/AP/dpa

Bootsflüchtlinge sitzen in den frühen Morgenstunden in ihrem Schlauchboot vor der libyschen Küste. (Symbolfoto)

Über hundert Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken
Bei einem Bootunglück im südlichen Mittelmeer sind offenbar mehr als hundert Flüchtlinge ums Leben gekommen.

Aus Berichten von 55 Überlebenden geht hervor, dass insgesamt 165 Menschen an Bord des Schlauchbootes waren, wie "Ärzte ohne Grenzen" am Dienstag in Rom mitteilte. Unter den Toten seien vermutlich 20 Kinder sowie anderhaltbjährige Zwillingsbabys, die mit ihren Eltern ertrunken seien.

Das Boot sei am 1. September wenige Stunden nach Abfahrt von der libyschen Küste in Seenot geraten, hieß es. Als es zu sinken begonnen habe, hätten Insassen per Satellitentelefon die italienische Küstenwache alarmiert. Daraufhin seien Rettungsinseln aus der Luft abgeworfen worden, auf denen die Überlebenden stundenlang ausgeharrt hätten.

Mehr zu Bootsflüchtlinge
Flüchtlinge auf dem Mittelmeer
Mehr als tausend Flüchtlinge haben die Schiffe von Hilfsorganisationen in den vergangenen Tagen auf dem Mittelmeer gerettet. Die Überlebenden auf der "Sea-Watch 3" dürfen nun den italienischen Hafen Tarent anlaufen.
Für ihren "mutigen Einsatz" hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, den zivilen Seenotrettern im Mittelmeer gedankt. "Sie nehmen eine Verantwortung wahr, die wir alle gemeinsam haben."


Am nächsten Tag habe die libysche Küstenwache die Geretteten in den Hafen von Khoms, 120 Kilometer östlich von Tripolis, gebracht, wo sie von "Ärzte ohne Grenzen" medizinisch versorgt worden seien. An Bord des gesunkenen Schlauchboots befanden sich den Angaben zufolge Menschen aus Sudan, Mali, Nigeria, Kamerun, Ghana, Libyen, Algerien und Ägypten. Bei der Rettungsaktion durch die libysche Küstenwache seien lediglich zwei Leichen aus dem Wasser geborgen worden.