NDR-Journalistin: Sender und Verlage sollten mehr kooperieren

NDR-Journalistin: Sender und Verlage sollten mehr kooperieren
Die NDR-Journalistin Anja Würzberg plädiert für mehr Kooperation zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und Verlagen. "Die deutschen Medienakteure zerfleischen sich gegenseitig, obwohl die eigentliche Gefahr ganz woanders lauert", sagte Würzberg, die beim NDR die Redaktion "Religion und Gesellschaft" leitet, am Donnerstag bei der Eröffnung des Christlichen Medienkongresses in Schwäbisch Gmünd.

Angesichts der wachsenden ökonomischen und politischen Macht internationaler Internetkonzerne sei zwischen Presse und öffentlich-rechtlichem Rundfunk in Deutschland Zusammenarbeit mit einer klaren Orientierung am Qualitätsjournalismus sinnvoll.

Würzburg sagte laut Redemanuskript, die Diskussionen um den Textanteil in der App der "Tagesschau" und die Verweildauern von Beiträgen in den Online-Angeboten der Sender gingen am Kern des Problems vorbei. "Denn ein schwacher öffentlich-rechtlicher Rundfunk nutzt den Verlagen nichts", argumentierte sie. Das zeige der Blick in die USA, wo fast alle Verlage trotz der Marginalisierung des öffentlichen-rechtlichen Systems mit Auflagenschwund und fallenden Anzeigenerlösen zu kämpfen hätten. Zudem gebe es keine seriösen Belege dafür, dass die Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender dem Geschäftsmodell der Verlage schadet.

Mehr zu Christlicher Medienkongress
Jan Eggers als Einhorn
Im Sommer dieses Jahres brachen die Nutzerzahlen bei ChatGPT überraschend ein. Noch nicht mal ein Jahr nach dem Start schien die Text-KI ihre Zukunft hinter sich zu haben – ist der KI-Boom schon vorbei? Ach wo!
Stephan Grünewald, Leiter des Rheingold Instituts.
Der Krieg in der Ukraine wirke sich auf die Ausrichtung der persönlichen Werte aus. Das sagt Psychologe Stephan Grünewald in einem Vortrag beim christlichen Medienkongress "Moveo" in Frankfurt.

Als beispielgebend schilderte Würzberg Kooperationen bei der Recherche. Ohne die internationalen Vernetzungen, an denen sich die "Süddeutsche Zeitung", der WDR und der NDR beteiligt hätten, seien Enthüllungen wie über die "Panama Papers" nicht möglich gewesen.

Beim Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd beraten Journalisten, zumeist aus kirchlichen Medienhäusern, bis Samstag über aktuelle Branchenthemen.